Toxoplasmose – Gefährlich oder nicht?

Von Eva Volk/ SAMT e. V. Eine häufige Infektionskrankheit der Katze ist die Toxoplasmose. Für den Parasiten Toxoplasma gondii stellen sie den Hauptwirt dar. In der Regel haben Katzen nur einmal im Leben eine Toxoplasmose, anschließend entwickeln sie eine Immunität gegen den Erreger. Zumeist merkt man den Tieren die Erstinfektion nicht an, da sie nur sehr selten mit leichtem Durchfall, erhöhter Temperatur und Schwellungen der Lymphknoten einhergeht. Bei Katzen mit gestörtem Immunsystem und Katzenwelpen kann es allerdings zu schweren Verläufen kommen mit Entzündungen von z.B. Herz oder Gehirn. Dies kann zu plötzlichen Todesfällen führen. Die Ausscheidung der Erreger erfolgt im Regelfall nur bei erstinfizierten Tieren. Einmal in die Umwelt gelangt, sind sie ausgesprochen langlebig und können beispielsweise in feuchtem Erdreich bis zu zwei Jahre überdauern. Häufig werden die Erreger dann von Zwischenwirten aufgenommen, wie Ratten und Mäusen.

Bei Toxoplasmose handelt es sich um eine Zoonose, d.h. eine Infektion, welche die Artschranke zwischen Mensch und Tier überwinden kann. Fast alle Säugetiere sind dem Erreger als Wirt willkommen, nicht nur Katzen. Die häufigste Infektionsquelle für Menschen ist Fleisch von Schweinen und Schafen, in den seltensten Fällen ist die Katze selber oder ihr Kot der direkte Überträger. Expertenschätzungen gehen davon aus, dass mindestens die Hälfte aller Deutschen bereits eine Infektion mit Toxoplasmose durchlaufen hat.

Abbildung: Vier nachcolorierte Toxoplasmen
Vier nachcolorierte Toxoplasmen

Die Vermeidung der Ansteckung von Katzen ist möglich durch die Verfütterung stark erhitzen oder lange durchgefrorenen Fleisches oder die reine Fütterung von Fertigfutter. Bei Wohnungskatzen ist so das Infektionsrisiko relativ einfach zu minimieren. Bei Freigängern ist dies leider aufgrund des Verzehrs von Nagetieren nicht möglich.

Hat der Mensch sich nun infiziert, so bemerken 90 % der Betroffenen mit intaktem Immunsystem dies nicht, da der Krankheitsverlauf in der Regel völlig symptomlos ist. Gelegentlich werden grippeartige Beschwerden wahrgenommen wie leichtes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Bei geschwächtem Immunsystem können u.a. Lungenentzündung und Hirnhautentzündung auftreten, was eine medikamentöse Behandlung erforderlich macht. Gerade transplantierte Patienten sind aufgrund der eingenommenen Immunsuppressiva hinsichtlich einer Infektion stark gefährdet, gleiches gilt für Patienten nach einer Chemotherapie oder für HIV-Infizierte. Diese exponierten Menschen müssen sich im Ansteckungsfall einer erheblichen medikamentösen Behandlung unterziehen.

Abbildung: Schwangere mit Katze (Modellfoto)

In der Schwangerschaft ist die Ansteckungsgefahr normalerweise nicht gegeben, sofern die Mutter bereits vorher einmal infiziert war, und somit besteht auch kaum Gefahr für das ungeborene Kind. Ein Bluttest kann feststellen, ob die Mutter bereits ausreichend Antikörper und eine Immunität aufgrund einer früheren Infektion gebildet hat. Bei einer erstmaligen Erkrankung der Mutter während der Schwangerschaft kann es zu massiven Schädigungen des Kindes kommen, wobei die Wahrscheinlichkeit hierfür mit fortschreitender Schwangerschaft kontinuierlich ansteigt. D.h. je später die Infektion der Mutter erfolgt, desto größer das Risiko der kindlichen Infektion. Folgen sind u.a. Fehlgeburten, Schädigungen der Organe und geistige Beeinträchtigungen. Wird während der Schwangerschaft eine Infektion nachgewiesen, kann mit der Gabe entsprechender Medikamente eine deutliche Senkung der Schäden initiiert werden.

Sollte nun also jeder mit geschwächtem Immunsystem und jede Schwangere prophylaktisch die geliebte Katze abschaffen? Zunächst sollte der Kot der Katze beim Tierarzt auf Erreger untersucht werden. Tiere, welche immun sind, scheiden keine Erreger aus. Bei Freigängern empfiehlt sich eine regelmäßige Untersuchung. Selbst bei entsprechendem Nachweis ist keine Panik nötig. Die ausgeschiedenen Erreger im Katzenkot benötigen ca. 48 Stunden Reifezeit außerhalb des Katzenkörpers um infektiös zu werden. Wird in dieser Zeit das Katzenklo mit heißem Wasser gereinigt, ist das Infektionsrisiko sehr klein. Es spricht auch nichts dagegen, die Reinigung des Klos dem werdenden Vater oder einem anderen Familienmitglied zu überlassen. Alternativ sind Einmalhandschuhe und Mundschutz auch eine Lösung. Grundsätzlich sind einfache Hygieneregeln, wie das Händewaschen nach der Schmusestunde und vor dem Essen auch immer wichtig.

Nachweislich finden Ansteckungen wesentlich häufiger über die Umgebung statt als über die heimische Katze. Viel gefährlicher als der Kontakt mit dem Stubentiger sind in der Regel der Verzehr von rohem Fleisch und der Kontakt mit demselben bei der Zubereitung. Entsprechende Hygiene minimiert auch hier die Ansteckungsrisiken. Rohe Milchprodukte sind ebenfalls zu meiden, rohe Eier ebenso. Obst und Gemüse ist gründlich zu waschen. Gartenarbeit sollte nur mit Handschuhen erledigt und Fleisch nur nach ausreichender Erhitzung verzehrt werden. Und natürlich sollte man auch die Katze nicht mit rohem Fleisch füttern.

Leider ist häufig bei beginnender Schwangerschaft die erste Reaktion: „Die Katze muss weg!“. Aber das muss wirklich nicht sein. Ein besonnener Umgang mit dem Thema Toxoplasmose, eingehende Beratung durch Tierarzt und Humanmediziner sowie tatkräftige Mithilfe der Familie und einfache Hygienemaßnahmen ermöglichen auch weiterhin, ein schönes und sicheres Zusammenleben von Mensch und Samtpfote.

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