Hypertrophe Kardiomyopathie bei Katzen

Von Beate Uhlig/ SAMT e. V. Die Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) ist die häufigste erworbene Herzerkrankung bei Katzen und ist durch eine Verdickung des Herzmuskels gekennzeichnet. Ihre Symptome kommen oft so schleichend daher, dass die Krankheit gar nicht oder erst sehr spät bemerkt wird. Häufig sind Rassekatzen betroffen, z.B. Maine Coon, Perser, Ragdoll, Rex, sowie Amerikanisch und Britisch Kurzhaar, aber auch viele „normale“ Hauskatzen.

herzbild

Die Verdickung kann die gesamten Herzmuskeln, aber auch nur Teilabschnitte umfassen. Die Muskulatur des Herzens wächst in den Kammerinnenraum, so dass sich das Lumen im Verhältnis zur Wandstärke erheblich verkleinert. Das Herz kann sich nicht mehr ausreichend mit Blut füllen, worauf es zu einem Rückstau in die linke Vorkammer und anschließend in den Lungenkreislauf kommt. Die Bildung von Lungenödemen (Flüssigkeit in der Lunge) oder Pleuralergüssen (Flüssigkeit in der Brusthöhle) sind die Folge.

Man unterscheidet zwischen Primären und Sekundären Hypertrophen Kardiomyopathien. Primär bedeutet, dass die Ursache im Herzmuskel selbst liegt. Es handelt sich hierbei um einen genetischen Defekt. Männliche Tiere erkranken häufiger bzw. früher als weibliche Katzen. Die betroffenen Katzen sind in der Regel noch recht jung, zumeist im Alter von ¾ bis 5 Jahren. Als zweite Form unterscheidet man die Sekundäre HCM. Hier kommt es aufgrund einer zugrunde liegenden systemischen Erkrankung zur Ausbildung der Hypertrophie. Ursachen sind u.a. Krankheiten, die mit einem erhöhten Blutdruck einhergehen, wie z.B. chronisches Nierenversagen. Eine andere Ursache ist eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose).

Die Erkrankung ist für den Besitzer im Anfangsstadium, wenn überhaupt, nur sehr schwierig zu erkennen. Katzen zeigen im Gegensatz zu Hunden selten typische Anzeichen einer Herzerkrankung, wie Husten oder Leistungsschwäche. Um die HCM frühzeitig zu diagnostizieren, wird für prädisponierte Rassen eine jährliche Vorsorgeuntersuchung empfohlen. In fortgeschrittenen Stadien kommt es oft zu Atemnot, welche sich häufig durch Hecheln zeigt. Dies kann ein Warnsignal sein, welches in jedem Fall durch einen Tierarzt abgeklärt werden sollte. Weitere hinweisende Symptome sind mangelnder Appetit, vermehrtes Schlaf- und Ruhebedürfnis, deutlich nachlassende Spielfreude und Belastbarkeit, beschleunigte Atmung mit Bauchpresse, aber auch bläuliche Schleimhäute, beschleunigte Herzfrequenz sowie unklare Umfangsvermehrung des Leibes durch Wasseransammlung.

Sofort beim Erkennen solcher Anzeichen sollte keine weitere Zeit verloren gehen und ein Tierarzt aufgesucht werden. Die tierärztliche Untersuchung umfasst neben der klinischen Allgemeinuntersuchung, das Abhören von Herz und Lunge. Hinweise auf eine Herzerkrankung sind Herzgeräusche, von denen es allerdings harmlose und solche gibt, die durch eine hypertrophe Kardiomyopathie entstehen. Diese lassen sich nur durch einen Herzultraschall voneinander unterscheiden. Viele Katzen mit HCM haben jedoch keine Herzgeräusche, können aber zusätzlich Rhythmusstörungen haben oder einen sogenannten Galopprhythmus entwickeln. Ein EKG gibt nicht nur Aufschluss über die Höhe der Frequenz (>200 Herzschläge pro Minute sind verdächtig für eine Kardiomyopathie), sondern auch über Art und Häufigkeit von Herzrhythmusstörungen. Ein EKG sollte immer dann angefertigt werden, wenn beim Abhören der Katze Rhythmusstörungen, wie zusätzliche Herzschläge, Pausen oder ein Galopprhythmus entdeckt wurden. Schwere Herzrhythmusstörungen können zum plötzlichen Herztod führen.

Röntgenbilder können eine Vergrößerung des Herzens, sowie Anzeichen eines Stauungsergusses in den Brustkorb oder Wasser auf der Lunge zeigen. Diese Veränderungen sind in der Regel nur im bereits fortgeschrittenen Krankheitsstadium zu erkennen.

Eine gefürchtete Komplikation bei Katzen stellt die Bildung von Blutgerinnseln im linken Vorhof dar. Hierbei besteht die Gefahr, dass einzelne Teile des Gerinnsels abgeschwemmt und damit bestimmte Blutgefäße verstopft werden. Am häufigsten betroffen sind die Oberschenkelarterien. Oftmals schreien die Katzen auf und können eines oder beide Hinterbeine nicht mehr bewegen. Bei dieser sog. Thromboembolie handelt es sich um einen extrem schmerzhaften und vor allem lebensbedrohenden Prozess. Auch hier gilt, wenn solche Symptome auftreten, schnellstens einen Tierarzt aufzusuchen, da nur durch eine frühzeitige Therapie in den ersten Stunden diese Thromben aufgelöst werden können.

Bei Katzen gibt es keine Standardtherapie für HCM, sondern sie wird auf das jeweilige Tier, das Stadium der Erkrankung, sowie speziellen Erwägungen zufolge auf den einzelnen Patienten hin zugeschnitten. Ist eine Therapie unumgänglich, werden in der Regel im fortgeschrittenen Fall, wenn die Katze einen Pleuralerguss oder ein Lungenödem hat, mit Entwässerungsmedikamenten (Diuretika) und einem ACE-Hemmer behandelt. Daneben werden Herzfrequenz senkende Medikamente (in der Regel Beta-Blocker oder Kalzium-Kanal Blocker) verabreicht, wenn Herzrhythmusstörungen vorliegen. Um die gefürchteten Thromboembolien zu vermeiden, werden gelegentlich Aspirin, Warfarin u.a. Medikamente eingesetzt. Allerdings gelten diese als nicht sehr erfolgreich in der Vermeidung von Thromboembolien. Ab dem Spätstadium ist in jedem Fall eine Dauertherapie notwendig.

Die Prognose ist abhängig vom Schweregrad und der Ursache der Erkrankung, auftretenden Komplikationen, der Rasse sowie vom Ansprechen des Tieres auf die Medikamente. Gerade Katzen reagieren beim letztgenannten Punkt sehr individuell, was eine genaue Prognosestellung unmöglich macht. Das Auftreten von Thromboembolien ist ein prognostisch überaus ungünstiges Zeichen. Studien haben gezeigt, dass die Überlebenszeit im späten Stadium mit der optimalen Therapie bei ca. 12 Monaten liegt. Auch dies kann individuell stark variieren. Wenn Katzen im Frühstadium mit HCM diagnostiziert werden, können sie aber auch viele Jahre leben.

Das Wichtigste für eine betroffene Katze ist, dass sie eine gute Lebensqualität hat. (Fast) alles, was ihr Spaß macht, soll sie auch tun dürfen, mit ein paar Ausnahmen. So sollte die Katze zum Beispiel möglichst keine salzigen Speisen vom Tisch zu fressen bekommen, da zu viel Salz gerade Herzpatienten schaden kann. Außerdem sollte sie nicht zu anstrengenden körperlichen Aktivitäten motiviert werden. Der Besitzer sollte sich zudem angewöhnen, die Ruheatemfrequenz seiner Samtpfote zu ermitteln (ein Heben und Senken des Brustkorbs = 1 Atemzug). Diese sollte über eine Minute gezählt werden, wenn die Katze in Ruhe ist, am besten im Schlaf. Die Ruheatemfrequenz sollte unter 45/Minute liegen. Steigt sie dauerhaft an, sollte der Tierarzt kontaktiert werden. Langjährige Erfahrungen haben gezeigt, dass das Zählen der Ruheatemfrequenz durch den Besitzer bei Tieren mit Herzerkrankungen einen exzellenten Frühmarker eines Lungenödems darstellt. Des Weiteren sollte die erkrankte Katze in regelmäßigen Abständen nachuntersucht werden. Die Untersuchungsintervalle richten sich nach dem Schweregrad und werden vom Tierarzt vorgegeben.

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