Das Tierwohl-Label – Enttäuschung auf ganzer Linie

Das Tierwohl-Label – Enttäuschung auf ganzer Linie

Von Eva Volk/ SAMT e. V. Im Rahmen der Grünen Woche wurde vom Bundeslandwirtschaftsminister das mit Spannung erwartetet staatliche Tierwohl-Label vorgestellt. Mittlerweile sind die diesbezüglich gehegten Hoffnungen allerdings vollständiger Ernüchterung gewichen

Zu bemängeln ist zunächst, dass das Label vorerst nur für Produkte aus Schweinefleisch gelten soll. Und was ist mit Hühner, Rindern usw.? Immerhin ein Anfang, möchte man meinen. Aber der Anfang ist mehr als zäh, denn jetzt sollen erstmal die Kriterien entwickelt werden. Man kann sich vorstellen, wie lange dieser Prozess sich hinziehen wird und wie windelweich das kompromissgeprägte Ergebnis dann irgendwann mal sein wird. Einen finalen Zeitplan gibt es seitens des Ministers auch noch nicht. Entscheidend wird sein, dass nicht nur der Deutsche Bauernverband und die Schweinezüchter beteiligt werden, sondern selbstverständlich auch Tierschützer.

Ein weiterer Kritikpunkt am neuen Label ist die vom Minister geplante Freiwilligkeit. So wird, wenn denn überhaupt, nur ein überschaubarer Teil von Nutztieren womöglich verbesserte Bedingungen erhalten.

Sinn macht ein Tierwohl-Label nur, wenn es für alle Nutztierarten gilt und verpflichtend für alle Produzenten ist. Weiterhin entsteht nur ein Zusatznutzen, sowohl für Verbraucher als auch für die Tiere, wenn die zu erarbeitenden Kriterien erkennbar über nationalem und europäischem Recht liegen. Abschließend muss sichergestellt werden, dass das Label nur an solche Produzenten vergeben wird, die ausnahmslos alle Kriterien erfüllen. Hier ist vollständige Transparenz gefragt.

Man muss feststellen, dass Ankündigungen sich immer gut machen, aber sofern keine Taten folgen, sich letztlich nichts ändert. Auch zu Themen wie Kennzeichnungspflicht von Gentechnik, Hygiene-Ampel, Nährwertampel und Tierschutz wurde seitens des Bundeslandwirtschaftsministers schon viel angekündigt und schlussendlich passierte nicht viel. Am liebsten sind ihm aber in jedem Fall Informationskampagnen und freiwillige Selbstverpflichtungen.

Für die Werbekampagne rund um das neue Label hat der Minister beachtliche 70 Mio. Euro zu Verfügung. Was könnte man im Tierschutz bundesweit mit dieser Summe nicht alles erreichen? Unzähligen Tieren wäre damit zu helfen.

Auch wenn sich in der Vergangenheit oft genug gezeigt hat, dass nur klare Regeln wirklich etwas bewirken – siehe Kennzeichnung von Eiern – so will es sich der Minister offensichtlich nicht mit mächtigen Vereinigungen wie dem Deutschen Bauernverband verderben.

Man kann somit nur hoffen, dass das Tierwohl-Label sich zukünftig nicht als reine Augenwischerei herausstellen wird.

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