Wie erkennt man Echtpelz?

Von Beate Uhlig/ SAMT e. V. Die meisten Menschen möchten eigentlich gar keine Kleidung mit oder aus echtem Pelz tragen, nur leider lässt sich auf den ersten Blick im Geschäft kaum ein hochwertiger Kunstpelz von echtem Pelz unterscheiden. Auch der Preis ist hierbei nicht unbedingt ein Anhaltspunkt, da gut gemachter Kunstpelz teurer sein kann als eine günstige Jacke mit Fellkragen aus China.

Abbildung: Katzenfell
Katzenfell oder Kunstpelz?

Bei Echtpelz sollte laut EU-Textilkennzeichnungsverordnung auf dem Etikett in der Kleidung eigentlich der Hinweis stehen: „Enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs“. Dieser Hinweis gilt allerdings auch für alle Produkte, die mit Leder oder Hornknöpfen verziert sind oder Daunen enthalten. Für den Verbraucher ist deshalb eine eindeutige Materialbestimmung am Bekleidungsstück sehr schwierig. Skandalös ist zudem, dass Jacken oder Mützen mit Pelzverzierungen häufig falsch oder gar nicht deklariert sind.

Diese Tipps helfen, Echtpelz zu erkennen:

  1. Pusten: Wird leicht über den Pelz gepustet, legt sich das dicke Deckhaar bei echtem Fell zur Seite. Meist lässt sich dann leicht gekräuselte, feine Unterwolle erkennen. Kunsthaar ist starrer und unbeweglicher.
  2. Auseinanderziehen: Echtpelz wird mitsamt der Tierhaut verarbeitet. Kommt beim Auseinanderziehen der Haare am Ansatz Leder zum Vorschein, handelt es sich um echtes Tierfell. Bei Kunstpelz hingegen ist eine gewebte Textilschicht zu sehen.
  3. Anzünden (Aber bitte nicht bei noch nicht erworbener Ware im Geschäft!): Es können einzelne Haare herausgezogen und angezündet werden. Echtpelzhaare verbrennen genauso wie menschliches Haar mit Horngeruch, während Kunsthaar wie Plastik zu Klümpchen schmilzt und auch so riecht.
  4. Strukturtest: Tierfelle sind meist aus mehreren Schichten unterschiedlich strukturierter Haare zusammengesetzt. Leicht gekräuseltes, feines Haar bildet die „Unterwolle“, aus der die längeren Haare herausstehen. Die Struktur von Kunstfellen ist einfacher, einzeln stehende Haare sind meist genau gleich lang und haben meist die gleiche Färbung. Echtpelz ist insgesamt etwas lockerer und beweglicher als Kunstfell. Echte Tierhaare verjüngen sich (d.h. werden immer dünner) am Ende, falls es sich nicht um einen rasierten bzw. gestutzten Pelz handelt. Dies ist allerdings bei Pelzkrägen und Applikationen relativ selten der Fall. Kunsthaar ist einfach gerade abgeschnitten.

Doch Vorsicht! Eine 100-prozentige Unterscheidung von Echtpelz und Kunstpelz ist auch mit diesen Tipps für einen Laien nicht in jedem Falle möglich. Wer Zweifel bei einem verdächtigen Pelzprodukt hat, sollte dann lieber die Finger davon lassen.

Hintergrund ist das Tierleid, das hinter dem Echtpelz steht. Allein in China, dem weltweit größten Pelzwarenexporteur, werden jedes Jahr schätzungsweise 70 Millionen Nerze, Füchse und Marderhunde sowie rund zwei Millionen Hunde und Katzen für die Pelzproduktion getötet. Den Tieren wird mit Knüppeln mehrfach auf den Kopf geschlagen, sie werden vergast oder mit einem analen Stromschlag, bei dem den Tieren eine Eisenstange in den Mund und in den After gestoßen wird, getötet. Einigen Tieren wird bei lebendigem Leib das Fell vom Körper gerissen. Da in vielen Ländern keinerlei effektive Tierschutzgesetze existieren, werden keine Strafen auf Tierquälerei verhängt.

Doch es spielt keine Rolle, ob Tiere zur Pelzgewinnung in Europa, Asien oder Nordamerika gezüchtet und getötet werden – sie leiden überall unter den gleichen furchtbaren Lebensbedingungen und brutalen Schlachtmethoden. Tierschützer lehnen die Tierhaltung, die Schlachtung und den Fang von Tieren in Fallen für die Pelzherstellung ab. Die Haltung findet in vielen Pelzfarmen nicht artgerecht und z.T. unter tierquälerischen Bedingungen statt. Die dort gehaltenen Raubtiere werden unter hygienisch unzumutbaren Bedingungen in viel zu kleinen Käfigen gehalten und können daher Verhaltensstörungen entwickeln sowie körperlichen Schäden davontragen. Um möglichst billig zu produzieren, werden die Tiere in winzige, karge und verdreckte Drahtgitterboxen gepfercht, in denen sie sich kaum bewegen können. Sie sind gezwungen, ihr ganzes trauriges Leben in ihren eigenen Exkrementen auf den gleichen Beton-, Draht- oder Gitterböden zu verbringen und haben keinerlei Möglichkeit, ihren natürlichen, instinktiven Verhaltensweisen nachzugehen.

Tierqualfreie Pelze gibt es nicht, und leider wissen viele Verbraucher immer noch sehr wenig über die Bedingungen, unter denen Pelzprodukte hergestellt werden. Obwohl über 80 % der Deutschen Echtpelz ablehnen, bleiben die Produktion und der Import ein Milliardengeschäft. Häufig wissen Käufer nicht, was sie da in den Händen halten oder werden getäuscht. Die Tipps sollen dabei helfen, nicht unbeabsichtigt echten Pelz zu kaufen – also bitte weitersagen!

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