SAMT bei den Wildkatzen

Von Eva Volk/SAMT e. V. Vom BUND, Kreisgruppe Düren, wurden eine Ausstellung und ein Vortrag zum Thema Wildkatzen im JUFA in Jülich organisiert. Zahlreiche SAMTpfoten ließen sich den Vortrag des Wildkatzenbotschafters Rolf Neumann nicht entgehen.

Abb: SAMT bei den Wildkatzen

In Deutschland leben nach Schätzungen ca. 5.000-7.000 Wildkatzen (Felis sivestris silvestris), davon allein in der Eifel ca. 1.000 Tiere. Und nein, es sind keine entlaufenen Hauskatzen (Felis silvestris catus), sondern eine eigenständige Tierart, wenngleich sie mit unseren Stubentigern in ferner Vergangenheit gemeinsame Vorfahren hatten.

Auf den ersten Blick ist es gar nicht so leicht, Wildkatze und Hauskatze zu unterscheiden. So mancher getigerte Stubentiger wurde schon fälschlicherweise verdächtigt, eine Wildkatze zu sein. Bei der Wildkatze ist jedoch der Schwanz deutlich buschiger und endet immer stumpf, niemals spitz. Zudem ist er immer mit markanten dunklen Ringen besetzt. Die restlichen Fellzeichnungen am Körper sind bei ausgewachsenen Tieren verwaschen, nicht so deutich getigert wie bei Hauskatzen. Nur die Sohlen der Hinterfüße sind bei Wildkatzen schwarz, während bei Hauskatzen das Schwarz bis zum Knie hochgeht.

Die meisten Menschen werden nie eine Wildkatze zu Gesicht bekommen, denn die scheuen Samtpfoten sind – wie der Name schon sagt – wilde Tiere, die kein Interesse an einem Dosenöffner und Streicheleinheiten haben. Sie leben in ausgedehnten Waldgebieten und benötigen weit mehr Raum, als wir es von unseren Hauskatzen kennen. So beansprucht ein Kater locker 2.000 Hektar für sich und die Katze benötigt immerhin noch 500 Hektar um sich wohlzufühlen.

In unseren durchstrukturierten Landschaften mit riesigen Agrarflächen ohne Baum und Strauch, dafür mit umso mehr Zäunen und unzähligen Straßen, welche die Lebensräume zerschneiden, hat es die Wildkatze nicht leicht. Für sie sind es unüberwindliche Hindernisse, die so manche Population von anderen abschneiden. Leider ist daher auch die häufigste Todesursache der Tod im Straßenverkehr.

Abhilfe sollen hier Grünkorridore und Wildbrücken schaffen. Auf diese Weise können Populationen und geeignete Lebensräume miteinander verbunden werden, sodass ein Genaustausch und die weitere Verbreitung ermöglicht wird. Dieses Rettungsnetz für die Wildkatze wird vom BUND sukzessive ausgebaut. Die Biotopverbesserung dient letztlich nicht nur den Wildkatzen, sondern auch vielen anderen Waldbewohnern.

Wichtig für die Aufzucht der kleinen Wildkätzchen ist zudem Totholz, welches nicht entfernt wird, sowie der möglichst erst im Herbst erfolgende Abtransport von Holzpoltern in bewirtschafteten Wäldern. Auch alte Bäume mit Höhlen, so sie nicht gefällt wurden, sind eine willkommene Möglichkeit für die Aufzucht des Nachwuchses. Wildkatzen bringen ihre Kleinen zumeist im April zur Welt und kümmern sich dann bis zu acht Monate um sie. Daher ist es wesentlich, die Familien bis zum Spätherbst möglichst nicht zu stören.

Wildkatzen zählen zu den besonders geschützen Arten. Daher besteht für sie ein absolutes Fang- und Tötungsverbot. Sollte man einmal bei einem Waldspaziergang über kleine Wilkätzchen stolpern, so dürfen sie auf gar keinen Fall angefasst oder gar mitgenommen werden. Zum einen weil sie niemals zahm werden, da es nun einmal wilde Tiere sind. Zum anderen ist der Kontakt mit unseren Hauskatzen für sie absolut tödlich, da das Immunsystem der Wildkatzen in keinster Weise mit den Krankheiten der Couchtiger klarkommt, auch wenn sie für diese absolut harmlos sein mögen. Schon der gut gemeinte Besuch des Tierarztes mit einer Wildkatze ist für sie ein Todesurteil aufgrund der notgedrungen in der Praxis umherschwirrenden Krankheitserreger. Ganz davon abgesehen können Wildkatzen nicht einfach mit Dosenfutter ernährt werden, sie fressen zu 95 % ausschließlich Mäuse und nur im Notfall Wildkaninchen oder Vögel.

Werden Wildkatzen gesichtet, entfernt man sich zunächst zügig und beobachtet aus der Distanz. Auf keinen Fall die Tiere anfassen! Angefahrene Wildkatzen sind hochgefährlich! Auch die Kleinen nicht anfassen, da sonst die Gefahr besteht, dass ein Muttertier vergrämt wird und die kleinen Kätzchen deshalb womöglich verhungern müssen.

Sichtungen – auch Totfunde – meldet man mit möglichst vielen Details und gerne auch Fotos dem Wildkatzenbotschafter für den Kreis Düren unter Tel. 02421-700369 oder per Email unter europ.wildkatze@t-online.de. Dieser kümmert sich dann um die fachmännische Beobachtung und gegebenenfalls weitere Maßnahmen wie z.B. Verbringung von mutterlosen Kätzchen in ein auf Wildkatzen spezialisiertes Auffangzentrum.

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