Hilfe für die Igel

Der Igel zählt bei uns zu den beliebtesten Tieren. Er ist niedlich, ausgesprochen nützlich gegen Schädlinge im heimischen Garten und gilt als Sinnbild einer intakten Natur. Dennoch ist der Mensch sein größter Feind. Jährlich fallen unzählige der stacheligen Kerlchen dem Straßenverkehr zum Opfer. Sie sterben an Giften, die Gärtner verwenden, um ihre Pflanzen zu schützen oder beim unachtsamen Umgang mit Geräten wie Laubsauger und Rasenmäher.

Katze betrachtet Igel durch einen Zaun.
Herbstliche Begegnung

Sie ertrinken in Pools und Teichen oder werden Beute von jagdlustigen Hunden. Manche sterben grausam durch Tierquälerei, indem sie als „Fußball“ missbraucht werden. Daneben schrumpft der natürliche Lebensraum der Igel kontinuierlich und in unseren aufgeräumten Gärten finden sie immer seltener Unterschlupf und Nahrung. Wären all diese Gefahren nicht gegeben, könnte ein Igel gut und gerne acht Jahre alt werden.

Noch gehört der Igel nicht zu den bedrohten Arten. Allerdings haben einige Exemplare, gerade jetzt in der kalten Jahreszeit, unsere Hilfe nötig. In Deutschland ist es generell verboten, Tiere von besonders geschützten Arten – und dazu zählt der Igel – aus der Natur zu entnehmen, mit Ausnahme hilfsbedürftiger Tiere. Doch wie erkenne ich, ob ein Igel Unterstützung braucht?

Es sollte nicht überstürzt gehandelt werden, wenn man einen Igel findet. Zunächst empfiehlt sich, erst zu beobachten und nur dann einzuschreiten, wenn er verletzt ist oder sich untypisch verhält. Manche Igel konnten sich vor dem Winterschlaf nicht mehr genug Speck anfuttern und würden so den Winter nicht überleben. Gegen Anfang November sollte das Körpergewicht deutlich über 500 g betragen. Manche spät im Jahr geborenen Jungtiere erreichen dieses Gewicht nicht mehr rechtzeitig. Hilfe brauchen neben verletzten Tieren, deren Wunden oft voller Fliegeneier und -maden sind, kranke Igel. Die normalerweise nachtaktiven Tiere laufen dann auch bei Frost am Tage umher, husten, röcheln und torkeln sogar. Ausnahmen bilden z.B. durch Gartenarbeiten aufgestörte Igel. Dann sucht auch ein gesundes Tier tagsüber einen neuen Unterschlupf. Verwaiste Igeljunge, die sich ohne Muttertier außerhalb ihres Nestes befinden, benötigen dagegen dringend Hilfe.

Igel
Igel

Igelfinder sollten sich niemals allein um ihre Schützlinge kümmern, sondern sich unbedingt und unverzüglich mit einer Igelstation und/oder einem Tierarzt in Verbindung setzen, damit die Findlinge fachgerecht versorgt werden können. Aber jeder kann Erste Hilfe leisten. Unterkühlte Igel sollten aufgewärmt werden. Eine Unterkühlung ist vorhanden, wenn sich das Tier an der Bauchseite deutlich kälter als die eigene Hand anfühlt. Dazu eine mit handwarmem Wasser gefüllte Wärmeflasche mit einem Handtuch umwickeln, den Igel daraufsetzen und mit einem weiteren Handtuch zudecken. Parasiten, die sich in Wunden oder Körperöffnungen gesetzt haben, sollten mit einer Pinzette sorgfältig abgesammelt werden. Blutende Wunden sind umgehend zu verbinden.

Wichtig ist, Funddatum, -uhrzeit, -gewicht und die genaue Fundstelle zu notieren und diese Daten der Igelstation bzw. dem Tierarzt zu übermitteln. Haben Tierarzt oder Igelstation erkannt, dass das aufgenommene Tier keiner menschlichen Hilfe bedarf, muss der Igel zeitnah an seinen Fundort zurückgebracht werden.

Um Problemen für unsere stacheligen Freunde bereits vorzubeugen, können viele einfache Maßnahmen für einen igelfreundlichen Garten getroffen werden. Wichtig wäre grundlegend, den Durchgang zu anderen Gärten zu gewährleisten, indem Zäune nicht zu dicht abschließen. Der Einsatz von Chemie im Garten sollte tabu sein, Schädlinge nur mit ökologisch verträglichen Mitteln bekämpft werden. Gleiches gilt für den Einsatz von Düngemitteln. Komposterde, Rindenmulch, Gesteinsmehl und ähnliche natürliche Dünger können als Alternativen für Kunstdünger zum Einsatz kommen. Damit Igel Unterschlupf finden, sollten zumindest Teile des Gartens nicht zu sehr „aufgeräumt“ sein, d.h. den Rasen an einigen Stellen ungemäht lassen, Hecken und Gebüsche dichter zuwachsen lassen, oder auch Laub- und Reisighaufen liegenlassen. Ist dies nicht möglich, kann ein Igelhaus aus dem Zoofachhandel aufgestellt werden. In Zeiten, wo das Nahrungsangebot für den Igel gering ist, kann zugefüttert werden. Es gibt spezielle Igelnahrung zu kaufen, aber es eignen sich ebenfalls z.B. Katzendosenfutter oder ungewürztes Rührei. Eine Versorgung mit täglich frischem Wasser schützt vor Durst. Auf keinen Fall darf Milch gegeben werden. Diese verursacht beim Igel Durchfall und führt zu einer lebensbedrohlichen Dehydrierung. Die Futterstelle sollte vor Regen und Vögeln geschützt sein und regelmäßig gereinigt werden. Wenn es friert und schneit ist die Zufütterung zu beenden, um die Igel nicht „künstlich“ wach zu halten. Denn Nahrungsmangel ist ein wichtiger Auslöser für den Winterschlaf.

Mit diesen nützlichen Hinweisen und einfach zu realisierenden Maßnahmen kann jeder von uns in seinem direkten Umfeld ein kleines Stück dazu beitragen, den Lebensraum für unseren geliebten Igel zu erhalten und ihm bei Bedarf helfend unter die Arme zu greifen.

Neben den Tierärzten am Wohnort, gibt es hier weiter Hilfe und Informationen:

www.igelstation-hs.de

www.igelhilfe.de

www.pro-igel.de

www.nabu-dueren.de

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