Chronische Niereninsuffizienz (CNI) bei Katzen

Eine der häufigsten Todesursachen bei Katzen ist die Chronische Niereninsuffizienz, kurz CNI. Diese Krankheit ist fortschreitend, d.h. die Nierenfunktion verschlechtert sich langsam, aber kontinuierlich über einen Zeitraum von mehreren Monaten bis hin zu wenigen Jahren. Da die Nieren keine Fähigkeit zur Regeneration haben, ist CNI leider unheilbar.

Lisa geniesst tritz CNI ihr Leben, hier beim Sonnenbad,
Lisa geniesst trotz CNI ihr Leben, hier beim Sonnenbad.

CNI ist eine Krankheit, die vor allem ältere Katzen über 10 Jahren betrifft. Etwa 10% aller Katzen über 10, etwa 30% aller Katzen über 15 Jahren betroffen. Das allgemeine Risiko steigt aber bereits nach dem 7./8. Lebensjahr. Ab diesem Alter sollten einmal jährlich beim Tierarzt neben der Routinekontrolle auch die Blutwerte bestimmt werden.

Ursachen für CNI können sein:

• Folgeerkrankung einer akuten Nierenerkrankung (z. B. durch Vergiftung)
• Angeborene oder erbliche Faktoren, u. a. Schrumpfnieren, Zystennieren
• Entzündungen der Nieren oder der harnableitenden Wege
Weiterhin in Verdacht stehen, wenn auch bisher unbewiesen:
• Zahn- oder Zahnfleischerkrankungen
• Dauerhafte Ernährung mit Trockenfutter oder minderwertigem Dosenfutter
• Bluthochdruck, Impfungen, Kaliummangel

Im Frühstadium ist es nicht möglich, CNI zu erkennen, da die Nieren den anfänglichen Schaden sehr gut kompensieren können. Erst wenn sie bereits zu zwei Dritteln geschädigt sind, zeigen sich erste Symptome und Auffälligkeiten bei den Werten im Blutbild (insbesondere Harnstoff und Kreatinin).

Ein wichtiges Alarmsignal ist ein gesteigerter Durst bei Katzen. Sie trinken häufiger und größere Mengen, oft auch aus ungewöhnlichen Quellen wie Blumenkübeln und Pfützen. Gleichzeitig wird mehr Urin abgesetzt. Grund dafür ist der gestörte Wasserhaushalt. Die Nieren verlieren zunehmend die Fähigkeit, den Harn zu konzentrieren. Nimmt eine Katze zu wenig Flüssigkeit auf, führt dies zu einer Dehydrierung. Weitere Symptome, die auf CNI hindeuten, sind Übelkeit und Erbrechend, zumeist direkt nach der Futteraufnahme. Hinzu kommen Appetitlosigkeit, Abmagerung und Muskelabbau, chronische Entzündungen in der Maulhöhle und ein unangenehmer Maulgeruch, blasse Schleimhäute oder ein stumpfes Fell. Zusätzlich können Herzarrhythmien, erhöhter Blutdruck, Verhaltensänderungen, wie z. B. Apathie, sowie Juckreiz und Ödeme auftreten.

Eine der wichtigsten Gegenmaßnahmen ist, eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme zu gewährleisten. Den Katzen sollte ständig frisches Wasser zur Verfügung stehen. Tiere, die nicht gern trinken, kann man ggf. mit einem Trinkbrunnen dazu animieren. Zusätzlich können Infusionen wie eine Art Dialyse wirken und das Blut reinigen. Es ist aber zu berücksichtigen, dass dies für einige Tiere einen erhöhten Stress bedeutet und der Nutzen abgewogen werden muss.

Zwingend anzuraten ist auch eine Ernährungsumstellung. Auf Trockenfutter sollte möglichst ganz verzichtet werden, weil dies sonst die Nieren weiter schädigt. Bei der Wahl des Nassfutters ist auf einen ausreichenden Gehalt an Proteinen zu achten. Ein Mangel würde zu weiterem Muskelabbau führen. Also hier besser ein hochwertiges Futter wählen. Das im Futter enthaltene Eiweiß sollte von bester Qualität sein, damit es vom Körper optimal verwertet werden kann und möglichst wenige Abfallstoffe entstehen. Es sollten keine undefinierten tierischen Nebenerzeugnisse wie Schlachtabfälle und auch kein Getreide verfüttert werden. Gleichzeitig ist es wichtig, Phosphat zu reduzieren, um die Nieren zu entlasten. Dafür gibt es eine Vielzahl an spezieller Nieren-Diät im Handel. Da viele Katzen, neben ihrer ohnehin bereits vorhandenen Appetitlosigkeit, dieses Futter oft nicht akzeptieren, ist es auch möglich, eine „normale“ und für die Tiere schmackhaftere Sorte in Kombination mit einem Phosphatbinder (z.B. Renalzin) zu füttern. Günstig ist auch, das Futter über mehrere kleine Mahlzeiten am Tag zu geben.

Tipp von Rosina: „Die Übelkeit bei der Nahrungsaufnahme verbesserte sich bei Lisa auch dadurch sehr merklich, dass ihr Futternapf nicht mehr auf dem Boden, sondern leicht erhöht aufgestellt wurde, sodass beim Fressen der Kopf nicht mehr nach unten hing.“

Da bei CNI die Urinausscheidung erhöht ist, kommt es zu einem vermehrten Ausscheiden der wasserlöslichen B-Vitamine. Der Bedarf sollte durch ein geeignetes Präparat ergänzt werden, das z.B. unter’s Futter gemischt werden kann. (Anmerkung von Rosina: „Wir verwendeten B-Komplex-Kapseln von Ratiopharm für unsere Lisa, ca. 1/3 Kapselinhalt pro Tag auf mehrere Mahlzeiten verteilt.“)

Es stehen auch Mittel der klassischen Homöopathie zur Verfügung. Sie sollten aber nicht als einzige Maßnahme dienen, sondern eher als Ergänzung gesehen werden, um den allgemeinen Zustand zu stabilisieren. (Rosina: „In unserem Fall kam die SUC-Therapie zum Einsatz.“)
Je nachdem welche Symptome weiterhin auftreten, müssen diese in Absprache mit dem Tierarzt behandelt werden, z.B. Tabletten gegen Herzrhythmusstörungen. Seit gut zwei Jahren ist zudem ein neues Präparat namens Semintra auf dem Markt, speziell entwickelt für CNI bei Katzen und im Moment noch alternativlos. Es reduziert die krankhafte Ausscheidung von Proteinen (Proteinurie) über den Urin und wirkt dem Muskelabbau entgegen. In Fachbüchern findet man dazu bisher noch nichts. (Erfahrung von Rosina: „Bei Lisa war die Krankheit bereits weiter fortgeschritten, als Semintra auf den Markt kam. Ihr Gesundheitszustand hatte sich durch die Verabreichung innerhalb weniger Tage nicht nur stabilisiert, sondern merklich verbessert. Sie hatte sogar wieder an Gewicht zugenommen und sich kaum noch erbrochen. Und diese positive Entwicklung hielt sich bei ihr über ca. zwei Jahre hinweg stabil, bevor sich ihr Zustand in den letzten zwei Monaten dann letztlich rapide verschlechterte.)

Wird CNI bei einer Katze festgestellt, muss nicht gleich mit dem Schlimmsten gerechnet werden. Wenn die Krankheit nicht erst im Endstadium diagnostiziert und frühzeitig behandelt wird, kann das Tier mit einer abgeschwächten Ausprägung der Symptome noch einige Jahre ein relativ normales Leben führen.

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